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Wolfgang Dreiser

aus dem Südkurier vom 31.05.2005

Theaterliebe im Nebenjob

Darsteller und Regisseur Wolfgang Dreiser lässt Passion sein ganzes Leben schon nicht los

© Südkurier
Foto: Frey

"Ja nicht Theater!", hatte ihn sein Vater gewarnt, dem die Schauspielerei ein unsicherer Beruf schien. So wurde Wolfgang Dreiser Lehrer, doch die Theaterleidenschaft spielt eine große Rolle in seinem Leben. In der regionalen Theater- und Kabarettszene ist sein Name bestens bekannt. Bei der Volkskunstbühne Rheinfelden, der Spielbühne Schopfheim oder im Theater am Mühlenrain in Weil am Rhein konnte man ihn in den vergangenen Jahren als Darsteller und Regisseur erleben. Zudem leitet der pensionierte Studiendirektor die Theatergruppe "Querfeldrhein" der Rheinfelder VHS und macht literarisches Kabarett im Ensemble "Theater im kleinen Kreis". "Das macht mir viel Spaß", erzählt der 65-jährige Niedersachse, der aus Hannover stammt und seit vielen Jahren in Rheinfelden lebt.

Das Theater begleitete ihn auch während seiner pädagogischen Laufbahn. Beim Studium in Göttingen schloss er sich dort gleich einer studentischen Theatergruppe an. Später ging Dreiser ein Jahr lang als Austauschlehrer nach Bristol, wo er an zwei englischen Schulen unterrichtete und in einer Lehrertheatergruppe mitmachte - wobei ein Sinn für den britischen Humor hängen blieb. Fünf Jahre lang war Dreiser als Auslandsschullehrer in Caracas in Venezuela an einer deutschen Schule und übernahm dort die Schultheatergruppe. Zurück in Deutschland, unterrichtete Dreiser für einige Zeit am Rheinfelder Gymnasium, bevor er bis zu seiner Pensionierung vor zwei Jahren stellvertretender Schulleiter am Theodor-Heuss-Gymnasium in Schopfheim war.

Schnell lernte der Pädagoge die rege Amateurtheaterszene in der Region kennen. 1985 spielte er bei der Volkskunstbühne Rheinfelden die Hauptrolle in Thornton Wilders "Heiratsvermittlerin", seither machte er, teils als Schauspieler, teils als Regisseur, bei zahlreichen Projekten der Volkskunstbühne mit. Unter anderem inszenierte er zwei große Freilichtaufführungen auf Schloss Beuggen, ein Goldoni-Stück und das Stück "Wie die ersten Menschen". Im Sommer 2005 führte Dreiser wieder Regie in der Komödie "Ein Toll(es)Haus" von Anthony Marriott und Alistair Foot, der Freilichtproduktion der Volkskunstbühne im Hof von Schloss Beuggen.

Die Erfahrung hat ihn gelehrt, dass die Besucher am liebsten vergnügliche und heitere Stücke sehen. "Die Leute wollen einen lustigen Abend, wollen lachen, wollen angenehm unterhalten werden", sagt Dreiser. Ernste Stücke haben es schwerer, wie das Beispiel "Hiob" zeigte, mit dem die Volkskunstbühne nicht so viele Zuschauer erreichte wie erhofft. Um sich im Theaterfach weiterzubilden, hat Dreiser Lehrgänge in Regie und Schauspiel an der Bundesakademie in Wolfenbüttel belegt. Seither sei er "viel gelassener" im Umgang mit seinen Schauspielern geworden, wenn es ihn auch immer wieder kribbelt, mal wieder selbst auf der Bühne zu stehen. "Aber wenn man Regie führt, sollte man nicht selbst spielen", ist seine Meinung. "Ich könnte auch schlecht introvertierte Leute spielen", lacht Dreiser, "dazu bin ich viel zu extrovertiert!"

Roswitha Frey