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Nerz beiseite

Presse

aus der Badischen Zeitung vom 31.03.2009

Vertuschungsaktionen auf der Couch


© Badischen Zeitung
Verwöhnte Frauen und eifersüchtige Ehemänner tummeln sich in der Boulevardkomödie der Theatergruppe "Querfeldrhein", hier Martina Doering und Markus Seiser in einer Szene.
Foto: Roswitha Frey

Wenn ein schüchterner Tugendbold plötzlich zum Frauenhelden wider Willen wird und von einer Affäre in die andere stolpert, dann hat garantiert Ray Cooney seine Hand im Spiel. Es ist die Spezialität des erfolgreichen britischen Lustspielautors, die Personen seiner Stücke durch turbulente und haarsträubend komische Situationen zu jagen. Zusammen mit dem Co-Autor John Chapman schrieb er die Boulevardkomödie "Not now, darling!", die jetzt unter dem Titel "Nerz beiseite" von der Rheinfelder VHS-Theatergruppe "Querfeldrhein" im Bürgersaal Rheinfelden aufgeführt wird.

Der Ausbund an Tugend, von dem eingangs die Rede war, ist der Geschäftsinhaber Arnold Krautsch, der nur eine kleine Schwäche für seine Angestellte Fräulein Tipsel hat. Sein Kompagnon Bodli dagegen ist das genaue Gegenteil: ein Salonlöwe und Schwerenöter, der einfach nicht die Finger von den Frauen lassen kann - obwohl er verheiratet ist. Und so kommt es, wie es kommen muss in einer solchen Boulevardkomödie: Bald tummeln sich im Kürschner-Couturesalon von Krautsch und Bodli allerlei leicht geschürzte Damen, eifersüchtige Ehemänner, misstrauische Ehefrauen, Models und Kundinnen, die all die erotischen Intrigen und Verwicklungen um einen teuren Mantel aus der neuen Kollektion und zarte Spitzendessous im "Liebesnest" vorantreiben. "Was für ein Film läuft denn hier eigentlich?", fragt sich eine der Damen angesichts der amourösen Verwirrungen.

Der Leiter und Regisseur der Theatergruppe, Wolfgang Dreiser, hat eine Vorliebe und ein Händchen für solche unterhaltsamen englischen Boulevardstücke. Seine Inszenierung hat Tempo, Dialogwitz und Situationskomik vor allem in den Versteckspielen mit den freizügig bekleideten Luxusweibchen und den erheiternden Vertuschungsaktionen auf der Couch. Im Bühnenbild eines Kürschner-Salons mit großen Modefotos stehen Dreiser außerdem gut aufgelegte Darsteller zur Verfügung. Allen voran Manfred Meister als Arnold Krautsch, der zum Spielball der nerzwütigen Damen wird und die Techtelmechtel seines Kompagnons ausbaden muss. Wie der gutmütige Arnold immer mehr in den Schlamassel rutscht, das spielt Meister gekonnt in einer Mischung aus Hilflosigkeit und komischer Verzweiflung. Aber auch Rudi Oberscheidt als lässiger, unwiderstehlicher Charmebolzen Bodli gibt die Lebemann-Nummer sehr überzeugend.

Ihren "Chefs" darstellerisch bestens Paroli bieten kann Anne Ptock-Mäder im Sekretärinnen-Outfit mit Brille und Hosenanzug als eifriges Fräulein Tipsel, das alles für die Firma tut. Verführerisch-kess verdreht Martina Doering als platinblonde Schönheit Janine den Herren den Kopf. Köstlich auch, wie Valerie Busson mit Kleinmädchenstimme, Kichern und Marilyn-Monroe-Gang auf süßes Dummchen macht. Die eine ist die Ehefrau, die andere die Geliebte von "Knauser-Harry" (ganz der gestresste Geschäftsmann: Markus Seiser), was die Verwicklungen natürlich noch verstärkt. Ebenso sorgt das Auftauchen von Bodlis Ehefrau (resolut: Meike Stolp), die verfrüht aus den Ferien an der Riviera zurückkehrt, für pikante Situationen. Ein witziger Einfall ist auch, wie Christel Riedel als Kapitänsgattin (mit Schiff am Hut!) und Carmine Melino als Kapitän ständig aufkreuzen und in Seemannssprache auf Kollisionskurs gehen.

- Weitere Vorstellungen: 2., 3. und 4. April, 20 Uhr. Tickets: 07623/7240-0.

roswitha frey




aus der Badischen Zeitung vom 10.03.2009

Theaterzeit - Das kann ja heiter werden

RHEINFELDEN. Nach dem Abstecher ins absurde Theater mit Ionescos "Nashörnern" probt die VHS-Theatergruppe "Querfeldrhein" nun wieder eine Boulevardkomödie.

© Badischen Zeitung
Turbulent geht es zu in " Nerz beiseite". Hier eine Probenszene aus dem Stück, in dem eine Tänzerin für Wirbel sorgt.
Foto: Roswitha Frey

"Nerz beiseite" heißt das Stück der bekannten britischen Lustspiel-Autoren Ray Cooney und John Chapman, in dem es ziemlich turbulent zugeht. Ende März ist Premiere im Bürgersaal. "Das Stück lag schon länger in meiner Schublade, ich wollte es immer schon mal realisieren", erzählt Regisseur und Theater-Workshop-Leiter Wolfgang Dreiser. Er ist immer auf der Suche nach lustigen Stoffen: "Ich suche gerne Stücke aus, bei denen das Publikum unterhalten wird und lachen kann". Witzig-amüsante Lustspiele und Komödien ziehen auch mehr Publikum an als ernstere Stücke wie Ionescos "Nashörner", so die Erfahrung des Theaterensembles.

"Nerz beiseite" ist die siebte Produktion von "Querfeldrhein". Im Original spielt das Stück in einem vornehmen Londoner Kürschner-Salon, doch die Rheinfelder Theaterleute haben die englischen Namen eingedeutscht und die Anspielungen auf England aus dem Text genommen. An der Geschichte selbst wurde aber nichts verändert.

Es geht um zwei Kompagnons, die ein Kürschner-Geschäft betreiben. Der eine ist eher tugendhaft, der andere ein echter Schwerenöter, der ständig mit Frauengeschichten zu tun hat, obwohl er verheiratet ist. Dieses Mal verguckt er sich in eine aufreizende Tänzerin vom Crazy Horse, der er einen teuren Mantel aus der neuen Kollektion versprochen hat. Als die schöne Janine mit ihrem Ehemann im Salon aufkreuzt, gehen die Turbulenzen erst richtig los.

Noch mehr Verwicklungen bahnen sich an, als Janines Ehemann, ein Geschäftsmann, mit seiner jungen, reizend-naiven Sekretärin auftaucht. Und dann kehrt auch noch die Ehefrau des Kompagnons verfrüht aus den Ferien in Monte Carlo zurück. Schnell muss die Affäre verschleiert werden, denn der unverbesserliche Schürzenjäger hat zu Hause schon alles für ein Rendezvous mit der Tänzerin vorbereitet und im Schlafzimmer liegen die verdächtigen Dessous... Als Running Gag platzen auch noch ständig ein Kapitän und seine Frau in den Salon, die sich dauernd suchen und verfehlen.

Bei den Proben wird gerade an solchen Szenen immer wieder gefeilt. "Das ist eine Stelle, die muss mit Tempo gespielt werden und sich langsam steigern", fordert Regisseur Dreiser und lässt auch mal eine Szene wiederholen, bis er zufrieden ist und sagt: "So ist es gut!".

In den Hauptrollen sind Manfred Meister und Rudi Oberscheidt als die beiden Kompagnons zu sehen, die Rolle der Tänzerin übernimmt Martina Doering, und Max Seiser gibt deren Ehemann. In weiteren Rollen spielen Christel Riedel als Kapitänsfrau, Carmine Melino als Kapitän, Anne Ptock-Mäder, Valérie Busson als Sekretärin und Meike Stolp als Ehefrau des Kompagnons. Bis auf Ptock-Mäder haben alle auch schon in früheren Stücken von "Querfeldrhein" mitgespielt. Seit Anfang März laufen die Proben im Bürgersaal, wo dann auch die insgesamt sechs Aufführungen stattfinden.

Premiere ist am 27. März, weitere Vorstellungen am 28. und 29. März sowie 2., 3. und 4. April, jeweils 20 Uhr.

roswitha frey