Unser Logo

Die Affaire Luspidame

Die Affaire Luspidame

Der Pariser Rechtsanwalt Fauvinard ist in einer unglücklichen Situation: seine Praxis läuft nicht so recht, seine Schwiegermutter, ein richtiger Drachen, schikaniert ihn. Seine Frau Angèle, die sich gegen ihre robuste Mama nicht durchzusetzen wagt, sagt zu allem Ja und Amen. Da ist es gut, dass sein Anwaltsfreund Tardivaut hilft, dem häuslichen Unfrieden zu entkommen um bei der hübschen Césarine Zuneigung und Entspannung zu finden.

Als Fauvinard durch die Vermittlung eines alten Freundes der Familie, den reichen Gatinet, seinen ersten "Fall" bekommt, scheint sich alles zum Guten zu wenden. Aber dieser "Fall" hat es in sich: Madame de Bagnolles verdächtigt ihren Mann eine Geliebte zu haben. Fauvinard soll den Ehebruch beweisen und Madams Scheidung vor Gericht durchsetzen.

Allerdings weiß Fauvinard nicht, dass diese Geliebte seine Affäre Cèsarine ist. Als er bei ihr zu einem Tête-à-tête ankommt, erscheint die Polizei und eine Verwechslungskatastrophe beginnt. Immer mehr Personen werden hineingezogen, das Chaos wächst, das Lügengestrüpp wird dichter und das Publikum Freut sich.

Wie sich das bis zum bitteren Ende entwickelt und ob das Ende wirklich bitter ist, wird hier nicht verraten: das muss man selbst miterleben.

Alfred-Nécolès Hennequin (* 13.01.1872 in Liège),

beruflich als beamteter Ingenieur bei den belgischen Staatabahnen in Brüssel tätig, begann seine schriftstellerische Laufbahn unter dem Pseudonym Alfred Leburn. Schon mit seinen ersten schwankhaften Komödien - etwa "Trois Chapeaux", 1870 - hatte er solch einen Erfolg beim Publikum, dass er beschloss, die Beamtenlaufbahn aufzugeben. Er ging nach Paris und wurde hier schnell der Gegenpol zu Labiche und mit ihm zusammen zum meist gespielten Autor des Boulevardtheaters der Belle Epoque.

Immer waren seine Stücke erfolgreich und immer waren sie ausverkauft, gesellschaftsfähig allerdings wurde Hennequin nie: sicher lag das daran, dass er im Gegensatz zu Labiche, dessen Stücke frei von Schlüpfrigkeiten waren und niemanden weh taten - besonders den gehobenen Gesellschaftsschichten nicht -, ein Autor war, der keinerlei Konzessionen den verlogenen Moralbegriffen dieser Gesellschaft gegenüber machte. Unbestechlich und gesellschaftskritisch hielt er in seinen zahlreichen und teilweise derben Vaudevilles, Schwänken und Librettis, der Belle Epoque einen Spiegel vor, in dem sich das Publikum wieder erkennen und herzhaft über die eigenen Schwächen und Mängel lachen konnte. Sein Einfluss auf den sehr viel jüngeren Feydeau wird erst heute deutlich.

Hennequin liebte das Leben und die Menschen. Er war ein Gourmet, trank gern und viel. Am 07.08.1887 starb er in Epinay. Man weiß nicht, woran er starb, aber soll dabei sehr fröhlich gewesen sein.