Unser Logo

Der nackte König

Presse

aus der Badischen Zeitung vom 28.02.2012

Publikum stimmt über die Satire ab

Die VHS-Theatergruppe Querfeldrhein arbeitet intensiv an der aufwändigen Bühneninszenierung von "Der nackte König".

© Badischen Zeitung
In prächtigen Kostümen spielt die VHS-Theatergruppe Querfeldrhein das Märchen "Der nackte König", das im März Premiere hat. Hier eine Probenszene.
Foto: Roswitha Frey

RHEINFELDEN. Die Sänfte der Prinzessin wird hereingetragen. Im roten Kleid steigt Maria Lo Voi anmutig aus. Doch am Hof des tyrannischen Königs, den sie heiraten soll, gefällt es ihr gar nicht: "Es ist alles so militärisch, ich komme mir vor wie in einer Kaserne.". Die Leibgarde marschiert auf, und schon erscheint der König samt Hofstaat und ist beim Anblick seiner Braut entzückt. Doch die Prinzessin kann den König nicht ausstehen und läuft davon. Regisseur Wolfgang Dreiser lässt die Szene mehrmals proben, bis sie temperamentvoll sitzt.

Die VHS-Theatergruppe Querfeldrhein feilt an den Feinheiten für die Aufführungen des satirischen Märchens "Der nackte König" von Jewgeni Schwarz. Nachdem die Premiere im vergangenen Herbst wegen Erkrankung des Hauptdarstellers verschoben werden musste, ist es nun endlich soweit: Am 9. März hebt sich im Bürgersaal der Vorhang für die zehn Bilder. Sechs Vorstellungen sind im März vorgesehen.

27 Darsteller, davon die Hälfte neue aus dem VHS-Theaterworkshop, die erstmals auf der Bühne stehen, wirken in diesem personenreichen Stück des russischen Autors mit. "Es ist die größte und aufwändigste Produktion, die wir je gemacht haben", erzählt Wolfgang Dreiser, der Leiter der VHS-Theatergruppe. Allein für die prächtigen Kostüme (Eva Mendel) und die Bühnenbilder wird enormer Aufwand betrieben. Für die zehn Bilder des Märchens sind viele Umbauten auf offener Bühne nötig. Wegen der Verschiebung mussten einige Rollen umbesetzt werden, doch nun steht die Besetzung und alle Akteure sind hoch motiviert und mit großer Spielfreude dabei.

"Ich wollte schon immer mal ein Märchen inszenieren", verrät Regisseur Dreiser bei den Proben im VHS-Haus, "da kamen die Stücke von Jewgeni Schwarz in Frage, denn sie sind eigentlich Märchen für Erwachsene und haben einen politischen Hintergrund."

"Der nackte König" entstand 1934, wurde unter der Sowjet-Zensur verboten und erst in den 1960er Jahren in Moskau uraufgeführt. "Das Stück ist eine Herausforderung", sagt Dreiser. Die politischen Anspielungen auf Diktaturen, die Schwarz in diesem Märchen verarbeitet hat, wurden in der "Querfeldrhein"-Inszenierung etwas "abgemildert", wie der Regisseur anmerkt. Doch finden sich noch genügend verschlüsselte kritische Anspielungen in dieser satirischen Parabel über Macht, List, Liebe, Mut, Sein und trügerischen Schein. Jewgeni Schwarz hat Motive aus drei Märchen von Hans Christian Andersen zu dieser Fabel verwoben.

Eine Prinzessin hat sich in einen einfachen Mann aus der Bevölkerung, einen Schweinehirten, verliebt. Ihr Vater, der König (Hans Krusche), ist gegen diese "unstandesgemäße" Verbindung und will seine Tochter mit dem Nachbarkönig (gespielt von Rüdiger Fleck), einem rechten Despoten, verheiraten. Als die Prinzessin mit Gefolge am Hof des Königs eintrifft, haben sich dort schon ihr Geliebter, der Schweinehirt (Rolf Lang), und dessen Freund (Thomas Wolf) als Weber verkleidet eingeschlichen. Sie wollen die Hochzeit verhindern und führen den König und seine Hofschranzen an der Nase herum, indem sie unsichtbare "Hochzeitskleider" nähen, die angeblich nur für Kluge sichtbar sind. So steht der Hofstaat am Ende schön dumm da und der König ohne Kleider.

"Ganz nackt aufzutreten, das wäre dem Schauspieler nicht zuzumuten, deshalb trägt er ein Feigenblatt", verrät Dreiser, "es geht vor allem um ein augenzwinkerndes Sich-Lustigmachen über Rituale am Hof". Der Hofnarr, die Hofdamen, der königliche Hofstaat, der Wirt, das sei alles lustig gemacht, denn auch Kinder sollen ihr Vergnügen an diesem erheiternden und entlarvenden Spiel haben.

Am Ende stimmt das Publikum demokratisch ab, wer die Prinzessin heiraten darf, und es gibt einen höfischen Schlusstanz, den die Akteure mit der Tanzschule Ralf Stengritt einstudiert haben. Außerdem spielen vier junge Musiker von der Musikschule Rheinfelden während der Umbaupausen Variationen über ein Lied, mal als Walzer, als Marsch, als Blues, als Ländler.

Theaterleiter Dreiser hält das Märchen auch für Kinder im schulpflichtigen Alter für geeignet. Um speziell die Familien anzusprechen, sind die Sonntagsvorstellungen am Nachmittag. Die letzte Aufführung am 18. März ist eine Benefizvorstellung für die Bürgerstiftung, "als Dank dafür, dass uns die Bürgerstiftung großzügig unterstützt".

Info: Aufführungen von "Der nackte König": 9. März (Premiere) und 10. März, 20 Uhr, 11. März 16 Uhr, 16. und 17. März, 20 Uhr, 18. März 16 Uhr, Bürgersaal Rheinfelden. Vorverkauf Buchhandlungen Merkel und Schätzle sowie bei der VHS Rheinfelden




aus dem Wochenblatt vom 07.03.2012

Der nackte König: Satire und Märchen im Bürgersaal am Wochenende


© Wochenblatt

Die Theatergruppe Querfeldrhein bringt das satirische Märchen des russischen Dichters Jewgeni Schwarz auf die Bühne. "Der nackte König" zählt zu den weniger bekannten Werken des Dichters, auch weil seine Aufführung noch während der Proben 1934 von der Zensur verboten wurde. Im despotischen Vater, der seine ungezogene Tochter zwangsverheiratenwill - an den nicht minder tyrannischen Nachbarn -warwohl zuvielpolitischeAnspielung aufHitlerundStalinenthalten, auchwenn Schwarz seine politische Kritik geschickt in einerMärchencollage dreier Märchen von Hans Christian Andersen versteckt. GespieltwirdimBürgersaalRheinfeldenamFreitag, SamstagundSonntag 9., 10 und 11. März sowie am Freitag, Samstag und Sonntag, 16., 17. und 18.März. Freitags und samstags beginnen dieVorstellungen um20 Uhr, sonntags um16 Uhr.Vorverkauf bei den Buchhandlungen Schätzle und Merkel sowie in der Geschäftsstelle der VHS Rheinfelden. Die Karten kosten imVorverkauf für Kinder und Jugendliche 7 Euro, für Erwachsene 10 Euro.An derAbendkasse kosten dieKarten einen Euromehr.Weitere Infos auf der Homepage von Querfeldrhein: www.querfeldrhein. de WB/Foto: Veranstalter




aus der Badischen Zeitung vom 28.02.2012

Könige kommen endlich auf die Bühne

Nach krankheitsbedingter Verschiebung startete die Querfeldrhein-Premiere im vollen Bürgersaal.

© Badischen Zeitung
Theater Querfeldrhein
Foto: Chris Rütschlin

RHEINFELDEN. Herzlich was zu lachen gab es am Freitagabend im Bürgersaal, als die VHS Theatergruppe Querfeldrhein unter der Regie von Wolfgang Dreiser "Der nackte König", ein satirisches Märchen von Jewgeni Schwarz auf die Bühne brachte. Wenn man bedenkt, dass die Hälfte der 36 Akteurinnen und Akteure zum ersten Mal vor Publikum spielten, dann muss man sagen: Der Abend war durchweg ein Erfolg.

Und was natürlich ebenfalls gut beim Publikum ankam, war die vierköpfige blutjunge Band "Petrichord", mit Riccardo Belvedere, Thomas Hoffmann, Lukas Kaiser und Thomas Wenzelmann, als Keyboarder, Schlagzeuger und Gitarristen. Sie sorgten zwischen den zahlreichen Schauspielakten mit Blues, Bossa, Jazz und Funk für eine herrliche musikalische Ergänzung zur Wortkunst. VHS Leiterin Gaby Dolabdjian zeigte sich erfreut, dass nach langer Wartezeit und krankheitsbedingter Verzögerung das Stück nun endlich doch noch auf die Bürgersaalbühne kommen konnte. Regisseur Wolfgang Dreiser stellte bei der Begrüßung heraus, dass man heute gleich drei Premieren feiern könne, so die des Stückes, die der Band "Petrichord" und die Tatsache, dass die Gruppe erstmals vollzählig auftreten könne. "Wir hatten zwei Herzinfarkte und viele Krankheitsausfälle. Das Stück stand nicht unter einem guten Stern", bedauerte Dreiser, der eifrig mit anpackte, wenn es galt, das Bühnenbild mit seinen aufwendigen Stellwandkonstruktionen und dem Thronsessel umzugestalten.

Das zweieinhalbstündige Schauspiel nahm seinen Auftakt mit dem Märchen "Die Prinzessin und der Schweinehirt". Herrlich flirtend und verliebt die Prinzessin (Maria Lo Voi) mit dem jungen attraktiven Schweinehirten Heinrich (Rolf Lang). Überzeugend enttäuscht und sofort eine "standesgemäße" Heirat arrangierend König I, Vater der Prinzessin (Hans Krusche in blutrotem Hermelinverziertem Königsmantel mit goldenem Zepter in der Hand).

Es folgte das Märchen "Prinzessin auf der Erbse", das eine traurige Prinzessin auf der Reise zum benachbarten, streng militärisch organisierten und kulturarmen Königshof zeigte, wo es galt, einen ergrauten, alten, lüsternen König II (ausdrucksstark gespielt von Rüdiger Fleck) zu ehelichen. Kein Wunder, dass die Stimmung auf dieser Reise alles andere als heiter war. Einziger Hoffnungsschimmer bildete da ein versteckt und verkleidet mitreisender Heinrich, der seiner Geliebten schwor, sie aus den Fängen des widerlichen Königs noch vor der Vermählung zu befreien.

Den Höhepunkt erreichte die Soirée im letzten und dritten Märchen des Abends "Des Kaisers neue Kleider", als König II am Hochzeitsfest mit nichts als einem Feigenblatt bedeckt vor die Braut trat. Hier musste der Vater der Prinzessin ernüchtert zu erkennen geben, dass seine Idee einer Zwangsheirat alles andere als durchsetzbar ist. Einen Exhibitionisten als Schwiegersohn, adlig hin, adlig her, das war ihm denn doch eine zu große "Schweinerei".

Mit einem Happy-End klang der kurzweilige Theaterabend, der es hinter der Bühne auf sage und schreibe weitere 36 Akteure brachte, aus. Mit verdientem Applaus bedachte das klatschfreudige Publikum die Mitwirkenden, die mit ihren herrlichen historischen Kostümen und Perücken zudem für eine gelungene Aufführung sorgten.

Wiederholung des Stückes am Freitag, Samstag und Sonntag, 16., 17. und 18. März (jeweils 20 Uhr, nur Sonntag um 16 Uhr).