Unser Logo

Der nackte König

Der nackte König

Ein modebesessener König, der nackt vor sein Volk tritt, eine wunderschöne Prinzessin, ein Minister für zarte Gefühle und haufenweise Matratzen auf einer Erbse - das Stück fasst mehrere Märchen von Hans Christian Andersen zusammen. Gleich nach seinem Erscheinen im Jahr 1934 wurde es verboten und zählt daher zu den weniger bekannten Stücken des russischen Dramatikers.

Als Heinrich die wunderschöne Prinzessin zum ersten Mal sieht, verliebt er sich auf der Stelle in sie. Da er selbst zu schüchtern ist, organisiert sein Freund Christian ein Stelldichein - mit Erfolg: am Ende küsst die Prinzessin ihren Heinrich. Die Hofdamen sind entsetzt und der König tobt. Gleich am nächsten Morgen soll sie deshalb den König des Nachbarreiches, einen eitlen Despoten, heiraten.

Schweren Herzens macht sich die Prinzessin auf die Reise. Heinrich, entschlossen, seine Liebste zu retten, folgt ihr...

Querfeldrhein spielt dieses Märchen für alle, die Märchen lieben und nicht als Kinderkram abtun: also für Kids und Teens, für deren Mamas und Papas, für Tante, Onkel, Oma und Opa samt Nichten, Neffen, Enkelinnen und Enkeln.

* * * * * *

"Wer ein Märchen erzählt, will nicht verschlüsseln, er will aus vollem Herzen das sagen, was er denkt."

(Jewgeni Schwarz)

* * * * *

Märchen

Unter Märchen im wissenschaftlichen Sinne versteht man eine kurze, ausschließlich der Unterhaltung dienende Erzählung von phantastisch-wunderbaren Begebenheiten, die sich in Wahrheit nicht ereignet haben und die sich nie ereignen können, weil sie Naturgesetzen widerstreiten.

Von Haus aus kam dem Worte solche Bedeutung nicht zu. Märchen ist eine Verkleinerungsform zu die Märe, mhd. daz maere, und bedeutete ursprünglich Kunde, Nachricht. Im späteren Mittelalter wird Märe die geläufige Bezeichnung für klei-ne Erzählungen in Versform, die wesentlich erfundene Stoffe behandeln. Die heutige wissenschaftliche Bedeutung des Wortes Märchen geht auf die Brüder Grimm zurück.

Was dem kritischen Betrachter heute am Märchen in erster Linie auffällt, ist der Widerspruch, in dem seine Aussage zur Wirk-lichkeit steht. Träger der Märchenhandlung, ihre eigentlichen Helden, sind zwar fast immer Menschen, die in die normale irdische Umwelt von Mitmenschen, Tieren, Pflanzen, Landschaft und in die gewöhnlichen Beziehungen von Zeit und Raum hineingestellt sind, aber dies Gewöhnliche, Irdische wird ständig gepaart und durchkreuzt mit einem Wunderbaren, der Wirklichkeit Widersprechenden. Vor allem aber sind die Märchen voll seltsamer Gegenstände, denen wunderbare Fähigkeiten eignen, etwa ein Tischlein-deck-dich, ein Knüppel-aus-dem-Sack, ewig gefüllte Beutel und nie versiegende Töpfe und Krüge, Mäntel und Hüte, die unsichtbar machen, oder Stiefel, die ihren Träger mit jedem Schritte sieben Meilen weiter bringen, und andere Zauber- und Wunderdinge in endloser Fülle.

Die Wirklichkeitsferne der aus Irdischem und Über-irdischem so eigenartig gemischten Märchenhandlung wird noch gesteigert durch die sonderbare Unbestimmtheit, in der sie spielt. Die erzählte Geschichte wird nie in eine bestimmte Zeit gesetzt. Keine Anspielung verrät auch nur das Jahrhundert, geschweige denn, dass eine Jahreszahl genannt würde. Was das Märchen erzählt, das hat sich eben einmal ereignet. Selbst die auftretenden Personen bleiben ohne Namen. Wird dieser herrschende Grundsatz da und dort durchbrochen, bleiben die Namen doch ohne wirkliche Bestimmtheit echter Personennamen. So wird der Märchenheld wohl öfter mit einem Namen genannt, aber was da auftritt, sind Allerweltsnamen, die keinerlei Individualisierung bedeuten.

Auch die Handlung um derentwillen diese wundersame Welt in Bewegung gesetzt wird, ist von recht eingeschränkter Art. Die große Mehrzahl aller echten Märchen mit männlichen Helden hat die Erwerbung einer Frau zum Ziel. Märcheninhalt ist dann meist die Beseitigung der Hindernisse, die dieser Erwerbung entgegenstehen. Ziel und Schluss des Märchens ist die Verheiratung des Helden. Held und Heldin erscheinen innerhalb der Märchenhandlung in der Regel in der Vollkraft der Jugend, eben im heirats-fähigen Alter und sie stammen oft aus zwei gesellschaftlich entgegengesetzten Schichten: aus Ober- und Unterschicht. Aus den vorgegebenen gesellschaftlichen Beziehungen holt sich die Märchenhandlung noch als besonderen Reiz, dass sie das Aufsteigen des Niedriggeborenen zu strahlender Königsherrlichkeit darstellt.

Entwicklung und Verknüpfung der Handlung durch psychische oder logische Beziehungen ist nicht die Sache des Märchens. Fast nie finden sich die einzelnen Stufen seiner Handlung aus dem Innern seiner Personen begründet. Vielmehr erscheint die Handlung überall von außen bewirkt und der künstlich geschürzte Knoten wird nie logisch gelöst, sondern durchhauen. Es herrscht die Kausalität des Zaubers. Das Märchenreich ist ein Reich der unbegrenzten Möglichkeiten. Das ist alles in Schwarz-Weiss gemalt: hier steht das vorbehaltlos Gute, drüben das ganz Schlechte; eine Mitte gibt es nicht. Es waltet eine sittliche Weltordnung eiserner Prägnanz: das Gute siegt immer, das Böse bezahlt mit dem Untergang.

nach F. Panzer, Märchen, 1926

* * * * * *

Jewgeni Schwarz (1896-1958)

Geboren in Kasan, aufgewachsen im nördlichen Kaukasus, bis zur Oktoberrevolution Jurastudium in Moskau, ab 1922 journalistische Arbeiten und Kinderbuchlektor im Staatsverlag OGIS. Ab 1930 Theaterdramaturg und freier Schriftsteller. Er schreibt zunächst Märchenstücke für Kinder, bald aber systemkritische politische (Märchen)-Stücke für Erwachsene. Schnell gerät er in Konflikt mit dem sowjetischen Machtapparat. Viele seiner Stücke werden verboten - auch das 1934 ver-fasste Märchen "Der nackte König".

Der erste große Bühnenerfolg wird 1939 das Märchen "Die Schneekönigin", aber sein Märchen "Der Drache" wird nach der Generalprobe sofort verboten. Die verschärfte Z ensurpraxis der Nach-kriegsjahre bot kaum Aufführungsgelegenheiten für seine Stücke. Nach langer Krankheit stirbt Schwarz 1958 in Komarowo bei Leningrad.

Ein Freund sagt über ihn: "Jewgeni Schwarz war ein Märchenerzähler, der es fertig brachte, uns durch alle Zauberlabyrinthe zu führen und mit der Nase auf das wirkliche Leben zu stoßen. Er liebte das Leben im Märchen und das Märchen im Leben . Er ging in stolzer Haltung, mit vorgeschobenem Bauch, auf dem Kopf eine Leinenmütze, die er sogar beim Schwimmen aufbehielt."

"Der nackte König" vereint 3 verschiedene Märchen Hans Christian Andersens (Sie werden sie ohne Mühe erkennen) zu einer fantastischen, er-heiternden politischen Fabel über Schein und Sein, Macht, Feigheit, Lüge, Mut, List und Liebe. Wir haben den Schluss ein wenig abgewandelt: eine Revolution - wie bei Schwarz - findet nicht statt, aber die Macht der Wahrheit und die Liebe besiegen den despotischen König 2. Eine demo-kratische Abstimmung (auch Ihre Stimme ist gefragt!), der sich auch der Vater der Prinzessin beugt, sorgt für ein happy end.

* * * * * * * * *

M Ä R C H E N R Ä T S E L

. kennen Sie Märchen?

Aus welchen 15 Märchen stammen diese Sätze?

1. "Ruckedigu, ruckedigu, Blut ist im Schuh!"

2. "Was rumpelt und pumpelt in meinem Bauch herum?"

3. "Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die schönste im ganzen Land?"

4. Da schliefen auch die Pferde im Stall, die Hunde im Hofe, die Tauben auf dem Dache, die Fliegen an der Wand, ja, das Feuer, das auf dem Herde flackerte, ward still und schlief ein, und der Braten hörte auf zu brutzeln, und der Koch, der den Küchenjungen, weil er etwas versehen hatte, in den Haaren ziehen wollte, ließ ihn los und schlief. Und der Wind legte sich, und auf den Bäumen vor dem Schloss regte sich kein Blättchen mehr.

5. "Ich schleife die Schere, und drehe geschwind, und hänge mein Mäntelchen nach dem Wind."

6. "Zieh lieber mit uns fort, etwas besseres als den Tod findest du überall; du hast eine gute Stimme, und wenn wir zusammen musizieren, so muss es eine Art haben!"

7. "Bist du so ein Kerl?" sprach er, und musste selbst seine Tapferkeit bewundern. "Das soll die ganze Stadt erfahren." Und er schnitt sich einen Gürtel und stickte mit großen Buchstaben darauf 'siebene auf einen Streich!'

8. "Ich bin so satt, ich mag kein Blatt: meh meh!"

9. "Manntje, Manntje, Timpe Te, Buttje, Buttje in der See, Meine Frau, die Ilsebill, will nicht so, wie ich gern will."

10. "Der Wind, der Wind, das himmlische Kind."

11. "Ach zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich, ich bin schon längst ausgebacken."

12 . "Heute back' ich, morgen brau' ich, übermorgen hol' ich der Königin ihr Kind .."

13. Und wie der siebente auf den Grund des Bechers kam, rollte ihm das Ringlein entgegen. Da sah er es an und erkannte, dass es ein Ring von Vater und Mutter war und sprach: "Gott gebe, unser Schwesterlein wäre da, so wären wir erlöst."

14. Kaum war er eingetreten, da merkte er, dass die Luft nicht rein war. "Ich rieche, rieche Menschenfleisch," sagte er, "es ist hier nicht richtig."

15. "Eh ich Euren Wunsch erfülle, muss ich erst drei Kleider haben, eins so golden wir die Sonne, eins so silbern wie der Mond und eins so glänzend wie die Sterne; ferner verlange ich einen Mantel von tausenderlei Pelz und Rauhwerk ."

* * * * * * *

M Ä R C H E N R Ä T S E L - A U F L Ö S U N G

1. Aschenputtel

2. Der Wolf und die sieben Geislein

3. Schneewittchen

4. Dornröschen

5. Hans im Glück

6. Die Bremer Stadtmusikanten

7. Das tapfere Schneiderlein

8. Tischlein deck dich, Esel streck dich, Knüppel aus dem Sack

9. Der Fischer und seine Frau

10. Hänsel und Gretel

11. Frau Holle

12. Rumpelstielzchen

13. Die sieben Raben

14. Der Teufel mit den drei goldenen Haaren

15. Allerleirauh

* * * * * * *