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Kaspar Hauser in Beuggen

Presse

aus dem Südkurier vom 24.06.2008

Auf der Spur des vertauschten Prinzen

RHEINFELDEN. Szenen um den Mythos Kaspar Hausers auf Schloss Beuggen

© Südkurier
Mysteriöse Flaschenpost: Theaterszene aus dem Kaspar-Hauser-Abend in der Bogenhalle mit Manfred Meister (links) und Wolfgang Dreiser .
Foto: Frey

Viele Rätsel, Mythen und Gerüchte ranken sich nach wie vor um Kaspar Hauser, jenen geheimnisumwitterten Jungen aus dem Kerker, der wohl der badische Erbprinz war und vermutlich zeitweise auch in Schloss Beuggen versteckt wurde. Was liegt da also näher, als das Thema "Kaspar Hauser und Schloss Beuggen" vor Ort aufzugreifen? Das gelang der Rheinfelder Bürgerstiftung mit ihrer Veranstaltung in der Bogenhalle, wo die mysteriöse Geschichte des Nürnberger Findlings szenisch, musikalisch und in Texten dargestellt wurde.

Wolfgang Bocks vom Salmegg-Verein zollte "Petrus den allerherzlichsten Dank" und zeigte sich "überwältigt", denn das Traumsommerwetter lockte weit mehr Besucher als erwartet an - insgesamt rund 150. "Wie plausibel ist es, dass Kaspar Hauser wirklich hier war?". Dieser Frage gingen die Akteure nach, "obwohl wir nur Indizien haben und keine Beweise", so Bocks. Beuggen-Kenner Jost Baier erzählte über die wechselhafte Geschichte von Schloss Beuggen, das Bauernaufstände, Kriege, Erdbeben und Typhusseuchen überdauert hat und einst Hauptquartier, Feldlazarett und Kinderheim war.

Die Zuhörer erfuhren auch einiges über die Historie des Hauses Baden. Theorien verweisen darauf, dass der vertauschte badische Prinz mit seiner Kinderfrau, der Hofdame Anna Dalbonne, an den Hochrhein gebracht wurde und von 1815 bis 1816/17 im Gartenhaus Schloss Beuggen untergebracht war. Wichtigstes Indiz für einen möglichen Aufenthalt von Kaspar Hauser in Beuggen ist ein Wappen, an das er sich in Träumen erinnerte und das er unbeholfen nachzeichnete, ein "Bild aus Stein", das Ähnlichkeiten mit dem Wappen des Komturs am Gartenhaus aufweist.

Drei Theaterszenen zu diesem Thema wurden eigens für diesen Abend von Wolfgang Dreiser geschrieben und von Darstellern der VHS-Theatergruppe "Querfeldrhein" aufgeführt. In der ersten unterhalten sich zwei einfache einheimische Bauersleute, dargestellt von Martina Doering und Manfred Meister, über die seltsame vornehme Dame und den kleinen Jungen mit dem "Holzross" - gemeint ist Holzpferdchen, das Kaspar Hauser so geliebt hat. "Do isch öbbis ful an dere Gschicht", argwöhnt der Mann, und seine Frau meint: "Vielleicht ist die Madame eine Prinzessin und der kleine Bub ein Prinz...".

Die nächste Szene spielt 1816 in Kembs am Oberrhein, wo ein Fischer ( Manfred Meister mit Angel) eine merkwürdige Flaschenpost findet und sie einem vorbeikommenden Gendarmen (Wolfgang Dreiser) zeigt: Die verschüsselte Nachricht, die in einem "Schloss nahe Laufenburg" aufgegeben wurde, macht auf das Schicksal des gefangenen Kaspar Hauser in seinem Verlies aufmerksam.In der dritten Theaterszene kommt Anfang des 20. Jahrhunderts ein Wissenschaftler nach Schloss Beuggen, wird von Eugen Zeller (dargestellt von Klaus Caspari) empfangen und stellt Nachforschungen über Kaspar Hauser und das Wappen an. Durch ihr lebensnahes und lebhaftes Spiel und die mit einigem Lokalkolorit durchzogenen Szenen brachten die vier Darsteller unter Regie von Dreiser einige Aspekte und ungeklärte Fragen um das Rätsel Kaspar Hauser auf anschauliche und plastische Weise nahe.

Zwischen den Theater-Episoden spielten Martin Litschgi und Evelyn Eble mit viel bläserischem Wohllaut Sätze aus dem Klarinettenduo von Conradin Kreutzer, einem Beethoven-Zeitgenossen aus Baden - also Musik aus der Zeit von Kaspar Hauser. Geschichte lebendig, szenisch und musikalisch erfahrbar zu machen, ist an diesem Abend, der mit einem rustikalen Essen und angeregten Gesprächen in der Bogenhalle ausklang, also durchaus geglückt.

roswitha frey