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Wer erstach den armen Henry?

Presse

aus dem Südkurier vom 18.01.2006

Vielseitigkeit war Trumpf

VHS-Theatergruppe "Querfeldrhein" begeisterte mit drei Einaktern im Bürgersaal Rheinfelden

© Südkurier
Mal lustig, mal ernst: VHS-Theatergruppe "Querfeldrhein"
Foto: Frey

Rheinfelden (ros) Von wegen armes Aschenputtel und böse Stiefschwestern! Alles Lug und Trug. Wie es wirklich aussah hinter den Märchen-Kulissen, zeigt jetzt die "Aschenputtel-Story" von Kenneth Lillington beim Theaterabend der Rheinfelder VHS-Theatergruppe "Querfeldrhein" mit drei Einaktern. Das Publikum konnte bei der Premiere im Bürgersaal miterleben, wie sich die "Dienstmagd" als ziemlich gerissenes Biest entpuppt.

Das unterhaltsame Stück, das die Aschenputtel-Geschichte aus ganz neuer Sicht aufrollt, war ein gelungener Einstieg in den abwechslungsreichen Einakter-Abend. Es fängt damit an, dass ein eifriger Reporter (Jhang Metz) am Königshof recherchiert und "die Story seines Lebens" wittert. Denn die beiden alten Stiefschwestern erzählen in Rückblenden, was damals passiert ist. Und es ist amüsant inszeniert, wie sich "Aschenputtel" Martina Sporer im Lumpen-Look mit einiger Hinterlist den gut aussehenden Prinzen (Max Seiser) schnappt.

Ihre Stiefschwestern (Maria Lo Voi und Diana Kiesel) kommen als temperamentvolle Studentin und flotte Tennisspielerin daher und die werte Frau Baronin (Karin Lischer) taucht mit der Aldi-Tüte auf. Statt rosaroter Märchenwelt also ganz normaler Familien- und Liebes-Stress bei Adels zuhause. Und wie die gängigen Rollenklischees da mal umgedreht werden, ist schon witzig anzusehen.

Auch beim zweiten Stück "Wer erstach den armen Henry" von Michael Green führte Wolfgang Dreiser Regie. Und die ganzen Pannen, falschen Einsätze, Text-Stolperer sind gewollt und sorgen für Pointen und Situationskomik. Da hört man Gerumpel und Gerenne auf der Bühne, das Licht geht im falschen Moment an und aus, die Akteure erscheinen nicht wie geplant - das scheinbar Dilettantische ist der eigentliche Gag in diesem Stück um eine Laienspieltruppe, die gerade einen Krimi aufführt.

Manfred Meister als Inspektor im Trenchcoat hat seine liebe Mühe, den Mörder des armen Henry zu ermitteln. Denn Verdächtige gibt es genug, zu allem Übel tragen sie auch noch falsche schwarze Bärte. Und die Köchin (köstlich: Eva Mendel) hockt mit blonder Lockenperücke aufreizend auf dem Stuhl und zwinkert ins Publikum. Auch die Herrschaften (Erika Hinzmann, Carmine Melino, Thomas Schmidt, Andreas Huber, Matthias Lentz), der Butler (Dietmar Schweiger) und die Souffleuse (Erika Hansmann) stellen sich am "Tatort" so verdächtig-komisch an, dass der Kommissar immer auf der falschen Fährte ist - natürlich zur Belustigung der Zuschauer.

Ernster wurde es nach der Pause im dritten Einakter "Das dicke Ende", von der Gruppe "Querfeldrhein" nach einem Thema von Edward Albee selbst entwickelt und von Thomas Schmidt inszeniert. Ein Sarg liegt an der Rampe, die Trauergemeinde erscheint, um den reichen Bauunternehmer zu beerdigen. Doch nach und nach fallen die Masken, kommen in Gesprächen immer mehr unbequeme Wahrheiten, Lebenslügen, Geständnisse und Heimlichkeiten ans Licht. Wie Maria Lo Voi als empörte und verletzte Witwe, Klaus Mertens als ihr Sohn Lars, Andreas Huber als Pfarrer und Matthias Lentz als Freund des Verstorbenen diese Gefühls-Abgründe darstellen, zwischen Trauer, Wut, Frust und Vorwürfen, das war beachtlich gespielt in diesem doch anspruchsvollen Dialog-Stück. (Weitere Aufführungen: Samstag, 21. Januar, 20 Uhr und Sonntag, 22. Januar, 18 Uhr.) Roswitha Frey

Roswitha Frey