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Heinz Erhardt Abend

Presse

aus der Badischen Zeitung vom 13.06.2016

Ein begnadeter Sprachjongleur und Worteverdreher

Das Theater "Querfeldrhein" präsentiert in einer Hommage Heinz Erhardts Leben und Gedichte - bekannte und weniger bekannte.

© Badischen Zeitung
Die Theatergruppe "Querfeldrhein" unternahm einen humorvollen Streifzug durch die Welt des Komikers Heinz Erhardt. Foto: Roswitha Frey
Foto: Roswitha Frey

RHEINFELDEN. Schelmisch lacht er von einem Porträtfoto herab: Heinz Erhardt, der unvergessene Humorist, dessen rundes Gesicht mit der Hornbrille und dem schalkhaften Blick jeder kennt. Diesem "Schwergewicht der leichten Muse" widmete die VHS-Theatergruppe "Querfeldrhein" einen unterhaltsamen Abend in der Buchhandlung Schätzle unter dem Titel "Noch 'n Gedicht". Uwe Schätzle freute sich, dass das Ensemble seit der ersten Stunde dieser Kulturbühne seine literarisch-kabarettistischen Programme bei ihm präsentiert. Dieses Mal amüsierten sie vor vollbesetzten Reihen mit ihrer heiteren Hommage an Erhardt. Regisseur Wolfgang Dreiser hat den Streifzug durch Erhardts Leben und Gedichte originell in Szene gesetzt und ist auch für das Drehbuch verantwortlich.

An zwei Tischchen unter dem Porträt des populären Komikers agierten Barbara Fleck, Anke Kurt, Sabine Tomczak, Rüdiger Fleck, Matthias Lentz und Hans Krusche, alles bewährte Schauspieler von "Querfeldrhein". Entlang der biografischen Stationen von Heinz Erhardt rezitierten sie passende Gedichte, wobei der Schwerpunkt nicht auf den bekanntesten Kalauern lag, die jeder kennt, sondern auf weniger berühmten Gedichten. Die Akteure finden den richtigen Ton für den zeitlosen, oft doppelsinnigen Humor dieses "Comedy-Stars der ersten Stunde" und tragen dessen launige Wortspielereien mit Esprit, Charme und Witz vor. In lockerer Unterhaltung erzählen die Darsteller Persönliches aus dem Leben Unterhaltungskünstlers (1909-1979), Dichters, Schauspielers und Musikers und streuen Erheiterndes und Hintersinniges aus seiner Feder ein.

Man erfährt, dass Erhardt eigentlich Konzertpianist werden wollte, sich aber in der Musikalienhandlung seines Großvaters verdingen musste, bevor er mit eigenen Programmen und Auftritten im Berliner "Kabarett der Komiker" und in den späten 50er und 60er Jahren im Fernsehen und Kino in Komödien durchschlagenden Erfolg hatte. Als liebenswert spießiger Durchschnittsmensch der Wirtschaftswunderzeit wurde er Stammgast in bundesdeutschen Stuben. Was für ein begnadeter Sprachjongleur und Wortverdreher Erhardt war, hörte man in ausgewählten Beiträgen.

Die reichten von köstlichen Klassikern wie "Der König Erl" frei nach Goethe und Mythologischem über die "ollen Griechen mit den wilden Göttern" bis zu anspielungsreichen Parodien auf Opern und Konzertbesuche. Zwar hat sich der Humorist politisch eher zurückgehalten, aber das Gedicht "Die Polizei im Wandel der Zeiten" ist mit zeitkritischen Tönen durchsetzt. Überhaupt schleicht sich ab und zu ein ernsterer Tonfall in Erhardts heitere Wortkomik ein, etwa wenn er über die Sehnsucht nach der Familie in der Kriegszeit schreibt oder über die Nachkriegszeit mit Trümmern, Hungern, Hamstern, Schiebern, Schwarzmarkt und den Wirtschaftsboom mit Freiheit, Fernsehen, Ferien.