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Noch nie hörte man solch schauriges Lachen

Presse

aus der Badischen Zeitung vom 01.10.2001

Lachsalve trifft Schrecksekunde

VHS-Theaterworkshop liefert hervorragendes Schauspiel

© Badischen Zeitung
Bei der Aufführung der Workshop-Theatergruppe der VHS Rheinfelden spukte es.
Foto: Azra Kujundzic

Rheinfelden (az). Mit zwei Einaktern betrat am Wochenende die Workshop-Theatergruppe der VHS Rheinfelden die Bühne. Im Filmsaal der Realschule fanden sich an die 50 Zuschauer ein und genossen einen Abend voller Grusel und Satire. Die Theatergruppe lieferte ein hervorragendes Schauspiel, das wahre Lachsalven im Publikum auslöste.

Das erste, einaktige Theatervergnügen, das die Mitglieder des Workshops dem Publikum bereiteten, stammte aus den Lausbubengeschichten von Ludwig Thoma und trug den Titel "Lottchens Geburtstag". Des Autors Spott und die Attacke auf die Gesellschaft verstand die Theatergruppe auf bemerkenswerte Weise zu vermitteln. Prüderie und Verklemmtheit zweier Hauptrollen amüsierten auf besondere Art.

Professor Dr. Otto Giselius (Rudi Oberscheidt) will Tochter Lottchen (Martina Sporer) und dem künftigen Schwiegersohn Dr. Traugott Appel, Privatdozent (Eva Mendel), "eine Fülle von peinlichen Momenten" in der Ehe ersparen. Nur zu gut ist ihm seine eigene Not in Erinnerung, als er sich schließlich von einem "Zoologen über das Wesen der Ehe aufklären lassen musste". Ottos Gemahlin Mathilde (Brigitte Licini) kann sein Beharren darauf, das Kind aufzuklären, nicht verstehen. Unterstützt wird sie in ihrer Auffassung von Ottos Schwester, der unverheirateten Cölestine (Martina Rauscher). Doch Dr. Otto Giselius lässt sich von "seiner väterlichen Pflicht" nicht abbringen. Als der vermutete Schwiegersohn, übrigens Zoologe von Beruf, sich im Hause Giselius vorstellig macht, ist das Chaos vorprogrammiert.

Herzhaftes Lachen und Zwischenapplaus lösten beim Publikum die Verwirrungen, die das verklemmte Denken beider "Mannsbilder" produzierte, aus. Frau, wie könnte es auch anders sein, bringt zum Schluss alles wieder ins Lot: das Lottchen hat nämlich in aller Heimlichkeit einen Hebammenkurs absolviert.

Regie bei den Einaktern führte Wolfgang Dreiser. Kostüme und Requisiten wurden durch das ganze Team zusammengetragen. Während der Pause legte Wolfgang Dreiser beim Aufbau der Kulisse für das zweite Stück kräftig selbst mit Hand an.

Ein Schloss, in dem es die kommende halbe Stunde tüchtig spuken sollte, diente von jetzt an als Handlungsort. Spinnweben und Ahnengalerie sowie gedämmte Beleuchtung boten sich als "Stimmungsmacher" an. Der zweite Einakter stammt aus der Feder des englischen Theaterautors Kenneth Lillington und trägt den viel versprechenden Titel "Noch nie hörte man solch schauriges Lachen". Das Licht ging aus und das Publikum fand sich in einem stockdunklen Saal. "Gib mir meinen Kopf zurück", lautete der erste Satz, den ein "Etwas" im weißem Gewand und stechendem Blick aussprach. Eine ungewöhnliche Geisterfamilie kämpft um ihre Vorherrscherstellung gegen die neuen, irdischen Bewohner des Schlosses an. Unaufhörliches Lachen im Zuschauerraum überwog, die Momente des Schreckens und Zusammenzuckens hielten sich zur Erleichterung des Publikums in erträglichen Grenzen.

Außer den bereits genannten Amateur-Schauspielern begeisterten Erika Hansmann, Volker Schön, Erika Hinzmann, Tanja Haenggi, Marianne Grundler und Martina Hartmann das Publikum.

Azra Kujundzic