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Geburtswehen Rheinfeldens

Presse

aus der Badischen Zeitung vom 21.09.2010

Eigene Stadtgeschichte lässt staunen

Packende und humorvolle Theater-Aufführung der "Rheinfelder Geburtswehen" kommt beim Publikum glänzend an.

© Badischen Zeitung
Couragierte Frauen setzen die Gründung des Frauenvereins durch, wie der Theaterabend über die "Geburtswehen Rheinfeldens" zeigte.
Foto: Roswitha Frey

RHEINFELDEN. Packende, bewegende und humorvolle Szenen aus der Geschichte Rheinfeldens spielten sich am Sonntag auf der Freilichtbühne beim Pfarreizentrum St. Josef ab: Das Theaterstück "Geburtswehen Rheinfeldens" von Autor und Regisseur Wolfgang Dreiser führte den 200 Zuschauern anschaulich und spannend vor Augen, mit welchen Schwierigkeiten die rasant wachsende Stadt in den Anfangszeiten vor über 100 Jahren zu kämpfen hatte.

Die Zeit, in der das neue Industriegebiet "Klein-Amerika" genannt wurde und es "wie im Wilden Westen" zuging, wurde in den Spielszenen und den Texten von Wolfgang Bocks sehr lebensnah und kurzweilig dargestellt. Die gelungene Mischung aus Theaterszenen, einführendem Vortrag von Bocks und den Liedern zur Gitarre von Liedermacher Manfred Meister fand einhellige und große Begeisterung bei den Besuchern, die sich mit Decken, Kissen und Jacken gut gewappnet hatten gegen die frühherbstliche Kühle.

"Wir werden staunen, was hier vor 100 Jahren geschehen ist", begrüßte Vorsitzender Hans Rudolf Henche zu diesem aufwändigen Theaterabend der Rheinfelder Bürgerstiftung das Publikum. Die Schauspieler von der Volkskunstbühne Rheinfelden und der VHS-Theatergruppe "Querfeldrhein" waren mit spürbarer Begeisterung und enormer Spielfreude bei der Sache und füllten ihre Rollen mit Bravour aus.

Schon die erste Szene war sehr lebendig gespielt: Maria Lo Voi und Carmine Melino gaben ein italienisches Paar, das anno 1900 verzweifelt auf Wohnungssuche geht, denn die bisherige Behausung ist eng, die Wände dünn, das Abort auf dem Hof. Erst eine resolute Bäuerin (Brunhilde Hering) hilft dem Paar weiter.

Wolfgang Bocks schilderte die schlimmen Zustände und die Wohnungsnot, als die Bevölkerungszahlen explodierten, aber nicht genug Wohnraum vorhanden war für die vielen Arbeiter, die von überall her in die Industrie kamen. Eine Barackenstadt wurde hochgezogen, sämtliche verfügbaren Zimmer, Speicher, Keller, Schöpfe, ja sogar Betten an sogenannte "Schlafgänger" vermietet. Der Ausländeranteil, so Bocks, lag damals bei fast einem Viertel der Bevölkerung: Rheinfelden war damals schon ein Schmelztiegel für Menschen verschiedener Länder.

Streit übers Industriegebiet: Karsolingen und Nollsau

Das Hickhack ums Industriegebiet und die politischen Zuständigkeiten brachten Manfred Meister und Bernd Futterer als Bürgermeister von Nollingen und Karsau und Andreas Kuck als Ratsschreiber mit kernigen, komödiantischen Zwischentönen auf die Bühne. Da ging es hoch her in der hitzigen Auseinandersetzung mit dem Vertreter der Industrie (Rudi Oberscheidt), es fielen Ausdrücke wie "Karsaulingen" und "Nollsau". Das Dorf Nollingen stand damals, wie Bocks verdeutlichte, vor gewaltigen Herausforderungen wegen der wachsenden Neusiedlungen. Es habe keine Krankenversorgung, keine Apotheke, keinen Arzt gegeben. Da kam, wie so oft, "Hilfe von unten, aus der Bürgerschaft".

So zeigte die dritte Spielszene die Gründung des Frauenvereins 1902, die nicht ohne Animositäten zwischen den Konfessionen vonstatten ging - verkörpert durch Rüdiger Fleck und Matthias Lentz als Pfarrer. In historischen Kleidern agierten Anja Braekow als Hebamme und Gerlinde Schonhardt, Barbara Fleck, Ingeborg Königsfeld, Anja Rütschlin, Adelheid Schellhorn und Saskia Degenhardt als couragierte Frauen, die sich gegen Widerstände durchsetzten und Familien in Not, Kranken, Kindern und Armen helfen wollten: "Es gibt so viel Not, so viele bedürftige Familien."

Die dramatischste Szene zum Schluss: der Streik bei der Aluminium 1909, als sich aufgebrachte Arbeiter, die bessere Arbeitsbedingungen fordern, am Werkstor versammeln, die gespannte Situation wegen Streikbrechern eskaliert und ein italienischer Arbeiter erschossen wird. Die Darsteller spielten diese Szene ungemein packend mit Thomas Schmidt als Gewerkschaftler, der die Arbeiter aufputscht, und diese empört und wütend Steine gegen das Tor werfen, bis Schüsse fallen - sehr eindringlich.

Die Lieder kommen außerordentlich gut an

Außerordentlich gut kamen die Lieder Manfred Meisters an, die sich um Rheinfelder Geschichte(n) drehen und sehr treffend, mit liebevoll-ironischem, aber kritischem Blick die Stadt beschreiben. Wenn er singt: "Erinnerungen reißt man ab, um mit der Zeit zu gehen", traf das einen Nerv bei den Zuhörern, und Meisters "Kraftwerk-Turbinen-Blues", ein kämpferisches Lied für das alte Kraftwerk, hat richtige Ohrwurm-Qualität.

Zum Epilog beklagte Rüdiger Fleck als Vater Rhein in einem Monolog, wie man mit ihm umgesprungen sei und ihm seine unbändige Kraft "weggesprengt" habe - ein eindrücklicher Ausklang dieses stimmigen Theaterabends zugunsten eines sozialen Projekts der Bürgerstiftung, der im Oktober im Bürgersaal erneut aufgeführt werden soll. Der Termin steht noch nicht.

Autor: Roswitha Frey




aus der Badischen Zeitung vom 21.09.2010

"Es kommt mir nicht fremd vor, was da gesagt wird"

Packende und humorvolle Theater-Aufführung der "Rheinfelder Geburtswehen" kommt beim Publikum glänzend an.

© Badischen Zeitung
Liedermacher Manfred Meister kam mit seinen Liedern über Rheinfelden sehr gut an.
Foto: Roswitha Frey

RHEINFELDEN (ros). Eine durchweg positive und begeisterte Resonanz fand das von der Bürgerstiftung veranstaltete Theaterprojekt "Geburtswehen Rheinfeldens" auf der Freilichtbühne beim Pfarreizentrum St. Josef. Hier einige Stimmen der Besucher zum Stück. Oberbürgermeister Eberhard Niethammer: Ich bin begeistert. Ich kenne die Geschichten ja, aber es sind sehr schöne, spannende Szenen daraus geworden. Überhaupt macht die Bürgerstiftung immer sehr gute, pfiffige Veranstaltungen.

Bürgermeister Rolf Karrer: Wie Geschichte hier visualisiert wird, ist sehr gelungen. Der Ort ist toll für ein Freilichttheater, auch die Kirche passt dazu. Da fragt man sich, ob man hier nicht wieder einmal etwas Ähnliches veranstalten sollte. Es gibt noch Orte hier in Rheinfelden, die es zu entdecken gilt.

Musikschulleiter Norbert Dietrich: Die Geschichte wird sehr gut illustriert. Man kann sich das jetzt viel besser vorstellen, wie es hier früher einmal zugegangen ist und was für ein Kompetenzgerangel da herrschte. Das kennt man ja teilweise heute noch zwischen Ortsvorstehern und Bürgermeistern. Was in den Szenen dargestellt wird, ist zwar 100 Jahre her, aber es kommt mir nicht fremd vor, was da gesagt wird. Es ist sehr illustrativ und wird auch gut in die Gegenwart geholt.

Karlheinz Hoppe: Es ist ein guter Rhythmus von Musik, Vortrag und Theaterspiel. Die Schauspieler sind auch sehr gut besetzt, was da aus den Szenen herausgeholt wird, ist bemerkenswert. Auch das Ambiente stimmt. Es ist sehr gut gemacht.

Leonhard Eder: Ich finde es großartig. Ich bin sonst kein Theatergänger. Aber die Idee, etwas über die Geschichte Rheinfeldens zu machen, ist sehr gut. Wie Wolfgang Bocks als Erzähler zu den Theaterszenen hinführt, bringt eine tolle Abwechslung. Die Verbindung aus Theater, Vortrag und Liedern ist viel kurzweiliger, als nur einen Vortrag zu hören.

Christel Riedel: Ich bin ganz begeistert. Das Stück ist für mich sehr informativ und amüsant. Was Wolfgang Dreiser aus den Geschichts-Szenen gemacht hat, ist wirklich toll.

Autor: Roswitha Frey




aus der Badischen Zeitung vom 15.03.2011

Diese Geschichte kommt an

Über 100 Besucher wollten auch die dritte Aufführung der "Geburtswehen Rheinfeldens" sehen.

© Badischen Zeitung
Zahlreiche Besucher wollten am Sonntagnachmittag im Bürgersaal mehr erfahren über die "Geburtswehen Rheinfeldens" - eine Darbietung mit Theater, Musik und viel Historie.
Foto: Claudia Gempp

RHEINFELDEN. Auch die dritte Auflage der "Geburtswehen Rheinfeldens" bescherte der gastgebenden Bürgerstiftung einen großen Erfolg: Über 100 Besucher waren am Sonntagnachmittag zu dem geschichtsträchtigen Nachmittag bei Kaffee und Kuchen in den Bürgersaal gekommen, um Näheres zu erfahren über spannende 100 Jahre Stadtgeschichte.

"Wir wären auch bei schönem Wetter hier, weil es uns sehr interessiert, versicherten zwei Damen und die Eheleute Ohme waren gekommen, weil sie als eingesessene Bürger "zwar schon viel wissen, aber als 46er-Jahrgang haben wir trotzdem nicht alles mitgekriegt". Wolfgang Bocks vom Salmegg-Verein, der im Namen des verhinderten Bürgerstiftungs-Vorsitzenden Hans-Rudolf Henche die Gäste begrüßte, zeigte sich "hoch überrascht über den großen Zuspruch bei so viel Buurefasnachts-Konkurrenz" und Cornelia Rösner von der Geschäftsführung der Bürgerstiftung freute sich besonders, "dass alle Ehrenamtlichen wieder mit dabei sind", diesmal auch die Freundeskreise Vale of Glamorgan und Deutschland-Kamerun - sie übernahmen die Bewirtung.

Die Bezeichnung "Wehen" sei bewusst gewählt, so Bocks, denn dies zeige, "dass das Ganze nicht so unproblematisch war", wie man im Laufe der Veranstaltung erfuhr. Das Theaterstück "Geburtswehen Rheinfeldens" von Autor und Regisseur Wolfgang Dreiser, szenisch gekonnt dargeboten von Mitgliedern der Theatergruppe Querfeldrhein und Volkskunstbühne, führte anschaulich vor Augen, mit welchen Schwierigkeiten die rasant wachsende Stadt in den Anfangszeiten vor über 100 Jahren zu kämpfen hatte.

Es fehlte an fast allem, was einen Wohnort für seine Bewohner wohnenswert machte. Historiker Wolfgang Bocks begleitete die Szenenfolgen mit informativen Rückblicken und Liedermacher Manni Meister sorgte für die musikalische Unterhaltung und stimmte dabei durchaus auch kritische Töne an.

Das Publikum bedankte sich mit viel Applaus für einen Nachmittag, bei dem es den Akteuren erneut über fast zwei Stunden gelungen ist, den weiten Spannungsbogen zu halten zwischen dem Vermitteln von historischen Fakten und dem Anspruch auf kurzweilige Unterhaltung mit ebenso packenden und bewegenden Szenen als auch manchen heiteren Momenten.