Unser Logo

Currywurst mit Pommes

Currywurst mit Pommes

Ein Kiosk an einer Autobahnratstätte - so einer von den kleinen, einfachen, einen den man ansteuern kann, wenn man auf die überfüllten größeren Häuser keine Lust hat, wenn man nur mal so eben seine Pommes reinhauen will oder auf einen Becher Kaffee angewiesen ist, um die nächsten Kilometer zu überstehen (oder auch nur: den nächsten Stau). Eine Bude, die mal weiß war, jetzt aber ihre besten Zeiten gesehen hat. Im Mittelpunkt des Geschehens steht Penelope Meier, genannt Penny, die Chefin einer Imbissbude.

Menschen der unterschiedlichsten Couleur kommen und gehen. Da gibt es emanzipierte Lehrerinnen auf dem Weg zum Trommelseminar in die Toskana, alberne Nonnen, balzende Mantafahrer, aalglatte Handy-Manager, zickige Sekretärinnen, werdende und tingelnde Schauspieler sowie Familien mit und ohne Oma.

Das einzige, was diese Personen miteinander verbindet: Sie alle sind auf dem Weg irgendwohin.

Der zweite Teil des Stückes spielt drei Wochen später und man trifft erneut auf die handelnden Personen, die jetzt auf der Rückreise sind, dem Zuschauer bereits ans Herz gewachsen, und die sich in völlig neuen, oft verblüffenden Konstellationen präsentieren... Nur eine Person bleibt in diesem Stück auf ihrem angestammten Platz: Penny, die den Reisenden Currywurst, Kaffee und Schokoriegel verkauft.

Kaum jemand verfällt nicht irgendwann einmal dem Reiz des schnellen Essens. An rund 1.500 Imbissständen wird in Berlin neben Döner und Pizza vor allem Currywurst mit Pommes verabreicht. Erfunden wurde die Currywurst von der Berlinerin Herta Heuwer. Vor knapp fünfzig Jahren kippte sie aus Langeweile in ihrem Imbissstand am Stuttgarter Platz Tomatenmark mit einigen Gewürzen zusammen und erfand das Steak des kleinen Mannes. Doch die Ursprünge liegen noch weiter zurück: 1862 wird in Antwerpen die erste Pommes-frites-Bude eröffnet.

*

FRANK PINKUS

Geboren 1959 in Hamburg-Harburg, wuchs Frank Pinkus auch in Hamburg auf und studierte an der Universität Germanistik, Philosophie und Erziehungs-Wissenschaften. Nach den beiden Staatsexamina zog es ihn ans Theater - er wurde Dramaturg am Altonaer Theater, bis die drastischen Etatkürzungen zur Schließung des traditionsreichen Theaters führten.

Sein neue Tätigkeitsbereich: Lektor und Dramaturg in der VVB, Norderstedt. In der VVB wirkte er über acht Jahre bis er im Juni 2003 an das Theater in seiner neuen Heimat Weyhe als Dramaturg, Regisseur und Schauspieler zurückkehrte. Theater als Leidenschaft - dagegen kann sich so mancher nicht wehren; auch Frank Pinkus nicht. Von den ersten Märchenaufführungen an blieb der sich öffnende Vorhang das ersehnte Mysterium des Lebens. Geprägt durch die Intendanzen Ivan Nagels am Hamburger Schauspielhaus und Boy Goberts am Hamburger Thalia-Theater, entstand ein Theaterverständnis, das bis heute bestimmend geblieben ist.

Früh gründete Pinkus eine eigene Theatergruppe. Mit der kleinen Bühne Harburg feiert er als Darsteller, Regisseur und auch als Autor seit 1978 ErfolgeDort hat Pinkus über fünfzig Inszenierungen erarbeitet, und zahlreiche seiner Stücke wurden dort uraufgeführt. Vor allem seine Kinderstücke waren besonders erfolgreich - seine Musical-Fassung und Inszenierung vom Urmel aus dem Eis, uraufgeführt mit der kleinen Bühne Harburg, ging wiederholt auf Deutschland-Tournee durch alle großen Veranstaltungshallen der Republik.

Zwei neue Komödien sind bereits in Arbeit. Warum immer wieder Komödien? Frank Pinkus: Wenn die Menschen sich in unserer Zeit mehr und mehr unterhalten wollen, hat das sicherlich Gründe. Und da Lachen nichts Schlechtes ist und auch nicht unbedingt unter jedem erdenklichen Niveau stattfinden muss, ist die Komödie eine lohnende Herausforderung. Pointen schreiben und zugleich glaubhafte Figuren erschaffen, die ein bisschen Alltag auf unaufdringliche Weise wiedergeben... das wär's doch!!

*

NICK WALSH

Geboren 1946 in England, wuchs Nick Walsh in Hamburg auf und studierte hier Germanistik und Anglistik. Nach Zusatzstudium der Theologie und der Journalistik wurde Nick Walsh freier Mitarbeiter bei diversen Radiosendern und Zeitschriften.

In den vergangenen Jahren machte er sich zunächst einen Namen als Übersetzer englischer Komödien: Richard Nelsons Stück "Neu-England" wurde von ihm übersetzt; und der Farcen-Dauerbrenner "Außer Kontrolle" von Ray Cooney in der Übertragung von Nick Walsh bewies und beweist auf zahlreichen deutschen Bühnen die glückliche Hand des kongenialen Schreibers, der den spezifisch angelsächsischen Humor ohne Einbußen auch dem deutschen Theater vermitteln kann.

Durch die Bekanntschaft mit Frank Pinkus wurde Walsh veranlasst, auch selbst zu schreiben - und mit "Currywurst mit Pommes" liegt die erste Gemeinschaftsarbeit der beiden vor, eine schnelle, amüsante und verrückte Farce, die vor einem Kiosk am Rand einer deutschen Autobahn spielt und mit 75 Rollen in über 50 Szenen eine rasante Comedy-Collage unserer Zeit präsentiert. "Currywurst mit Pommes" wurde 1997 uraufgeführt und entwickelte sich schnell zu einem kleinen Kult-Stück bei Amateur- und Off-Theatern in allen Sprachen und Dialekten Nick Walshs erste eigene Komödie "Genug ist nicht genug" wurde ebenfalls 1997 mit großem Erfolg an der Darmstädter Komödie TaP uraufgeführt und von Bühnen in Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz produziert.

Zwischenzeitlich schuf er auch die deutsche Übersetzung von Joe DiPietros Was zählt, ist die Familie, die, gerade erst in New York uraufgeführt, in der Spielzeit 1999/2000 von Bühnen in Berlin, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München und auf Tournee gezeigt wurde.

Quelle: VVB Norderstedt

*

HERTA HEUWER

Die Currywurst wurde in der Nachkriegszeit erfunden - das ist sicher. Ob sie allerdings im Rheinland, in Hamburg oder in Berlin das Licht der Welt erblickte, darüber streiten sich die Regionen und Städte noch immer. Offiziell gilt jedoch mittlerweile eine Imbissbuden-Besitzerin aus Berlin-Charlottenburg als Erfinderin: Herta Heuwer, die von 1913 bis 1999 lebte. Sie kreierte 1949 die "Spezial-Soße" und meldete sie 1959 zum Patent an.

Die Geburtsstunde der Currywurst schlug - nach Herta Heuwer - am Sonntag, den 4. September 1949. Sie stand in ihrer Imbissbude in der Kantstraße/Ecke Kaiser-Friedrich-Straße und langweilte sich. Wegen des strömenden Regens kamen keine Gäste. Zum Zeitvertreib rührte sie Tomatenmark mit Curry und anderen Gewürzen zusammen und gab die soeben erfundene "Chillup-Sauce" über eine zerstückelte Dampfwurst.

Ausgehend von Uwe Timms Novelle Die Entdeckung der Currywurst von 1993, in der er die Erfindung einer Lena Brücker zuschreibt, die in der Geschichte einen Imbiss am Großneumarkt in Hamburg betrieben und die erste Currywurst bereits 1947 serviert haben soll, wird die Berliner Herkunft der Currywurst jedoch immer wieder bestritten. Lena Brücker zu Ehren wurde ebenfalls im Jahre 2003 eine Gedenktafel am Hamburger Großneumarkt angebracht.

Timm selbst beschreibt Lena Brücker als fiktive Person, die stellvertretend steht für ?eine dieser wunderbaren Frauen, von denen es viele gab. Die haben den Großteil des Wiederaufbaus gestemmt, die waren sehr präsent damals.? Die Figur der Novelle ist angelehnt an eine Frau, die auf dem Großneumarkt einen Imbissstand betrieb und bei der er seiner Erinnerung nach als Kind bereits 1947 zum ersten Mal eine Currywurst aß. Zu weiteren Einzelheiten der Novelle sagte er: "Diese Frau hatte eine Imbissbude am Großneumarkt. Das ist authentisch, alles andere ist Fiktion."

Bis sie seit den 1980er Jahren zunehmend Konkurrenz durch Döner und Hamburger bekam, hatte sich die Currywurst in Deutschland zu einem der beliebtesten Gerichte an Imbissständen, besonders in Berlin, Hamburg und im Ruhrgebiet, entwickelt. In Betriebskantinen ist sie das bis heute. Dabei wurde sie zu einer Ikone der Alltagskultur, über deren ordnungsgemäße Auswahl der Zutaten und ihrer Zubereitung große Meinungsunterschiede herrschen, die von Anhängern der Currywurst lustvoll diskutiert werden.

Im Frühjahr 2007 hat, pünktlich zu unserer Premiere im März 2007, in Berlin das "Deutsche Currywurst Museum" eröffnet. ( http://www.currywurstmuseum.com