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...uns laust der Affe

Presse

aus dem Südkurier vom 18.11.2009

Tierisch gute Unterhaltung


© Südkurier
Foto: Jürgen Scharf

Von Stachelfischen, Tintenschweinen und Lachtauben: Das Programm "...uns laust der Affe" der "Querfeldrhein"-Kabarettisten der VHS-Theatergruppe ist das reine zoologische Panoptikum und war im Kleinkunstkeller der Buchhandlung Schätzle in Rheinfelden ein "tierisches Vergnügen".

Die Nummernfolge versammelt Menschlich-Tierisches und Tierisch-Menschliches, beginnt mit Kästners berühmter "Entwicklung der Menschheit" ("... noch immer die alten Affen!") und endet mit Dieter Hallervordens "Tierischem Tango", einer fast schon närrischen Ferkelei mit einem Refrain zum Mitsingen. Von dem populären "Emil und die Detektive" -Schöpfer Kästner und dem Witzonkel Heinz Erhardt hat die Truppe mit und um Wolfgang Dreiser nur wenig ins Programm genommen. Auch von Morgenstern, Ringelnatz und Tucholsky wurde nur eine kleine Auswahl getroffen, dafür mehr andere, neuere und unbekanntere Autoren ausgesucht, wie den zu Unrecht vergessenen Peter Paul Althaus mit seinen skurrilen Satiren.

Bis auf den Vordermann Dreiser sind alle frisch dabei in dieser niegelnagelneuen Besetzung. Die vorherigen weiblichen Mitglieder sind als "Rheingarnixen" davongeschwommen und machen jetzt selber erfolgreich Kabarett. Die Gedichte wurden vor gut gefüllten Reihen mit verteilten Rollen und in "affigen" T-Shirts vorgetragen, teils halbszenisch oder als kleine Sketche gespielt, auf der mit Plüschtieren dekorierten Bühne.

Besonders witzig die Publikumsbeschimpfung auf die Melodie "Der Kuckuck und der Esel", ein lästerliches Lied, und das auf die Finanzkrise umgedichtete Lied von der Affenbande. Schön gelästert haben sie auch in vielen anderen Versen von Busch bis Brecht und das Publikum hatte bei diesem tierischen Programm wirklich Schwein und durfte sich amüsieren. Neben den bühnenerfahrenen "Rampensäuen" - um im Bild des Abends zu bleiben - wie Anne Ptock-Mäder, dem Theatermann Dreiser, dem mit allen Theaterwassern gewaschene Bühnenbrettler Rudi Oberscheidt aus Rippolingen (früher Wehrer VHS-Theatergruppe) und dem Gitarristen Jhang Metz gab Barbara Fleck als Neuling ihr Debüt in diesem Ensemble, das sicher noch zusammenwachsen wird. Sonst soll uns doch der Affe lausen...

Jürgen Scharf




aus der Badischen Zeitung vom 14.11.2009

Von Tierischem und allzu Menschlichem


© Badischen Zeitung
Foto: Roswitha Frey

Auch die Affen gehen mit der Zeit. Dass die Affenbande hinter der geklauten Kokosnuss her ist, war einmal. Jetzt heißt es umgedichtet und auf Finanzkrise und Börsencrash umgemünzt: "Die Affen rasen durch die Welt, sie suchen ihr verlorenes Geld, die Affen haben sich verzockt, das schnelle Geld hat sie gelockt..." Derart aktualisiert kommt die Nummer im tierisch-satirischen Programm "...uns laust der Affe" der Rheinfelder Kabarettgruppe Querfeldrhein vor - ein "Affentheater", passend auf der mit Plüschaffen dekorierten Kleinkunstbühne in Schätzles Keller.

Es ist das fünfte Programm des Ensembles um den Rheinfelder Theatermann und Theaterworkshop-Leiter Wolfgang Dreiser, der englischen Humor und literarisches Kabarett liebt. Dass er es mit Wortwitz hat, zeigten schon die vorigen Programme "(F)Rohe Weihnachten", "Frühlingsverlachen", "Herbstzeitchose" und "Oh, frivol ist mir am Abend", die große Publikumserfolge waren. Nun also sind die Akteure kabarettistisch gesehen auf den Hund gekommen, auf den Kuckuck und den Esel, das Pferd, das Suppenhuhn, den Aal, den Igel, den eigensinnigen Elefanten, ja sogar auf Stachelfisch und Tintenschwein. Tiermotive prangen schon auf den T-Shirts der Kabarettisten: Affe, Hund, Schmetterling und Wolf. Alles dreht sich ums Tier in den 32 Nummern, Szenen, Sketchen und Liedern. Das reicht von Kästners Evolutions-Erkenntnis, dass die Menschen "noch immer die alten Affen" sind, über Fred Endrikats Aufstieg und Fall einer arbeitsscheuen Ameise bis zu Didi Hallervordens Tango tanzendem Schwein. "Die Grundidee ist, dass sich Menschen manchmal recht tierisch verhalten und Tiere ziemlich menschliche Züge annehmen", erklärt Dreiser. Nachdem sich die Damen seines Kabarettensembles als Rheingarnix(en) selbstständig gemacht haben, musste er eine völlig neue Besetzung zusammenstellen. Rudi Oberscheidt aus Rippolingen spielt schon lange Theater in Amateurensembles, zuerst in Wehr, jetzt in Rheinfelden, und es reizte ihn, Kabarett zu machen, weil da eine besondere Konzentration auf das Wort verlangt ist. Auch Anne Ptock-Mäder aus Weil am Rhein hat schon lange Bühnenerfahrung, spielte früher im Kesselhaus, dann bei der Rheinfelder Volkskunstbühne und nun bei Querfeldrhein: "Schauspielen hat mir schon immer Spaß gemacht", sagt sie. Erstmals Bühnenluft schnuppert Barbara Fleck aus Rheinfelden, die über den VHS-Theaterworkshop zur Gruppe gekommen ist. Als Gitarrist begleitet Jhang Metz das Ensemble, in dem menschlich die Chemie stimmt.

Im Teamwork suchte man die Nummern für das Programm über Tierisch-Menschliches aus, in dem die Tiergedichte Heinz Erhardts nicht fehlen dürfen. Sie gehören in ein solches vergnüglich-ironisches zoologisches Panoptikum, ebenso wie ein Ringelnatz, "Tucho" oder Morgenstern. Doch bringt man bewusst auch Humoristisches und Skurriles von weniger bekannten oder vergessenen Autoren wie Peter Paul Althaus und seine "Lachtaube", der mit Kichererbsen das Lachen beigebracht wird...